Ob Unternehmen aus der KI Nutzung einen echten Wettbewerbsvorteil ziehen, entscheidet sich nicht allein an der Technologie, sondern vor allem daran, wie sie ihre Mitarbeitenden befähigen, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.
„Wenn du keine KI nutzt, wirst du deinen Job an jemanden verlieren, der sie nutzt.“ Dieses viel zitierte Statement von NVIDIA-Gründer Jensen Huang bringt eine der zentralen Fragen auf den Punkt, die Unternehmen derzeit beschäftigt. Was bedeutet KI tatsächlich für unsere Arbeitsplätze und wie bereiten wir Mitarbeitende darauf vor?
Beim Learning Executive Forum (LEF) von 3spin Learning am 27. August 2026 in Hamburg sprach Inga Dransfeld-Haase, CHRO der TÜV NORD AG, darüber, wie Unternehmen mit dieser Transformation umgehen können. Dabei wurde deutlich, dass HR unbedingt einen Plan haben muss, wie sie die Veränderungen durch die KI gestalten werden.
1. KI ist längst im Arbeitsalltag angekommen
Nach den beim LEF vorgestellten Zahlen der Konstanzer KI Studie 2025 setzen bereits 35 % der Erwerbstätigen KI ein, 11 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Doch die Erwartungen an eine KI unterscheiden sich deutlich. Während 43 % der Wissensarbeiter positive Auswirkungen durch KI erwarten, sind es bei Beschäftigten in manuellen Tätigkeiten lediglich 24 %.
Das ist für HR eine wichtige Erkenntnis. Denn KI Transformation betrifft neben der Technologie auch Erwartungen, Unsicherheiten, Kompetenzen und die Frage, ob Mitarbeitende das Gefühl haben, Teil dieser Entwicklung zu sein. Unternehmen können die KI deshalb nicht einfach technisch ausrollen. Sie müssen die Menschen mitnehmen.
2. KI bedeutet nicht automatisch Jobverlust
Kaum eine Diskussion über künstliche Intelligenz kommt ohne diese Frage aus: „Wird KI meinen Arbeitsplatz ersetzen?“
Die beim LEF präsentierten Daten zeichnen ein differenzierteres Bild. Laut der Konstanzer KI Studie gibt es bislang keine negativen Beschäftigungseffekte durch KI. Gleichzeitig verändert die KI jedoch Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen.
Das verschiebt die entscheidende Frage von „Wird KI meinen Job ersetzen?“ hin zu „Wie verändert die KI meinen Job und welche Fähigkeiten brauche ich künftig?“
Genau hier liegt eine zentrale Aufgabe für HR und Learning & Development. Mitarbeitende brauchen Möglichkeiten, neue Technologien nicht nur kennenzulernen, sondern Kompetenzen aufzubauen, mit denen sie diese sinnvoll in ihren Arbeitsalltag integrieren können.
3. KI kann selbst zum Enabler für Upskilling werden
Die KI kann dabei helfen, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Nach den beim LEF vorgestellten Zahlen des PwC 2026 AI Jobs Barometer werden 83 % der Beschäftigten durch KI-Lösungen beim Erwerb neuer Skills unterstützt.
Das eröffnet für Corporate Learning eine spannende Perspektive. Die KI kann beispielsweise dabei helfen,
- Lernangebote stärker zu personalisieren,
- individuelle Lernbedarfe zu berücksichtigen,
- Wissen direkt im Arbeitskontext verfügbar zu machen,
- realistische Arbeitssituationen zu simulieren,
- unmittelbares Feedback zu ermöglichen
- und Lernen kontinuierlich in den Arbeitsalltag zu integrieren.
Damit wird die KI vom Gegenstand der Weiterbildung selbst zum Werkzeug für Weiterbildung.
4. Unternehmen mit hoher KI Exposition bauen ihren Vorsprung aus
Auch aus Unternehmensperspektive gewinnt die Geschwindigkeit der Transformation an Bedeutung. Laut dem beim LEF präsentierten PwC 2026 AI Jobs Barometer hat sich seit 2022 weltweit der Vorsprung der am stärksten KI-exponierten Unternehmen verdreifacht.
Abwarten ist damit ebenfalls eine Entscheidung.
Unternehmen, die KI Kompetenzen frühzeitig aufbauen, können Erfahrungen sammeln, Anwendungsfälle identifizieren und lernen, wo Technologie tatsächlich Mehrwert schafft. Dabei geht es allerdings nicht darum, KI möglichst schnell überall einzusetzen. Vielmehr geht es darum, Innovation zu ermöglichen und gleichzeitig verantwortungsvoll mit der Technologie umzugehen. Die Erfahrungen von TÜV NORD zeigen, wie diese beiden Ziele miteinander verbunden werden können.
TÜV NORD
5. KI Transformation braucht eine klare Vision
Bei der TÜV NORD GROUP ist die KI nicht ausschließlich ein Technologieprojekt. Das Unternehmen verfolgt laut Inga Dransfeld-Haase eine klare Vision:
„TÜV NORD soll zu einem führenden Enabler für die Nutzung und Entwicklung von KI werden.“
Damit eine solche Vision Realität werden kann, braucht es neben den neuen Tools auch das Wissen, wie mit neuen Technologien umzugehen und sie praktisch anzuwenden sind. Ein Beispiel dafür ist die TÜV NORD Akademie. Mehr als 12.000 Seminarteilnehmende nutzen dort Lernformen wie KI und Virtual Reality, u.a. in Zusammenarbeit mit 3spin Learning.
Das zeigt einen wichtigen Grundsatz moderner Personalentwicklung. Transformation entsteht durch die Einführung einer Technologie und dadurch, dass Menschen lernen, mit ihr zu arbeiten.
6. Ohne Vertrauen funktioniert keine KI Transformation
Je stärker KI in Arbeits- und Lernprozesse integriert wird, desto wichtiger werden gleichzeitig Fragen rund um Datenschutz, Transparenz und Vertrauen. Inga Dransfeld-Haase machte beim LEF deutlich, dass diese Faktoren heute entscheidender sind denn je.
Das ist besonders für HR relevant. Denn Mitarbeitende müssen nachvollziehen können:
- Was passiert mit meinen Daten?
- Wofür wird die KI eingesetzt?
- Welche Entscheidungen trifft ein System und welche weiterhin ein Mensch?
- Welche Regeln gelten für den Umgang mit KI?
- Und wo liegen die Grenzen?
Unternehmen brauchen deshalb neben technologischen Lösungen auch einen klaren organisatorischen und ethischen Rahmen.
7. Ein KI Manifest schafft Orientierung
Die TÜV NORD GROUP hat dafür 2026 ein KI Manifest verabschiedet. Dadurch wollen sie die Potenziale künstlicher Intelligenz für Mitarbeitende, Kunden und die gesamte Unternehmensgruppe zu erschließen und gleichzeitig einen verantwortungsvollen Umgang mit KI sicherzustellen.
Das ist ein wichtiger Gedanke für jede KI Strategie. Governance sollte Innovationen nicht verhindern. Sie sollte Menschen die Sicherheit geben, Innovation verantwortungsvoll auszuprobieren. Klare Leitplanken können Unsicherheit reduzieren und Mitarbeitenden Orientierung geben:
- Was dürfen wir?
- Was sollten wir?
- Und wie wollen wir KI als Unternehmen einsetzen?
8. Menschen vom Zuschauer zum Gestalter machen
Am Ende bleibt die Frage, was HR und L&D konkret tun können. Eine Antwort von Inga Dransfeld-Haase bringt die Diskussion des Abends besonders gut zusammen:
„Wir sind nicht hilflos. Wir sind Gestalter*innen.“
Genau darin liegt eine große Chance für HR. Unternehmen können Rahmenbedingungen schaffen, in denen Menschen die Technologie kennenlernen, ausprobieren und Kompetenzen für den Umgang damit entwickeln. Dafür braucht es aus unserer Sicht insbesondere drei Dinge:
- Orientierung: Mitarbeitende müssen verstehen, welche Rolle KI im Unternehmen spielen soll.
- Vertrauen: Datenschutz, Transparenz und verantwortungsvolle Nutzung müssen von Anfang an mitgedacht werden.
- Kompetenz: Mitarbeitende müssen Möglichkeiten bekommen, neue Fähigkeiten praktisch aufzubauen und zu trainieren.
Dabei dürfen Unternehmen einen wichtigen Punkt nicht übersehen. Je mehr die KI Aufgaben übernimmt, desto weniger genügt es, Mitarbeitenden lediglich den Umgang mit KI Tools beizubringen. Führungskräfte müssen Veränderungen erklären. Teams müssen neue Arbeitsweisen aushandeln. Mitarbeitende müssen Feedback geben, Konflikte lösen, Entscheidungen kommunizieren und Menschen für Veränderungen gewinnen.
KI Soft Skill Transformation
Und genau hier setzen wir bei 3spin Learning an. Mit unseren KI Soft Skill Trainings können Mitarbeitende und Führungskräfte realistische Gesprächssituationen in KI-Rollenspielen trainieren, beispielsweise Mitarbeitergespräche, Feedback, Konflikte, Change-Kommunikation oder anspruchsvolle Kundengespräche.
Statt nur zu lernen, was sie in einer bestimmten Situation tun sollten, müssen die Teilnehmenden selbst reagieren. Sie können unterschiedliche Vorgehensweisen ausprobieren, erhalten individuelles Feedback und wiederholen die Situation.
Das bietet Unternehmen mehrere Vorteile:
- Praxis statt reiner Theorie: Soft Skills werden angewendet, nicht nur erklärt.
- Geschützter Trainingsraum: Fehler können gemacht werden, ohne reale Konsequenzen für Mitarbeitende oder Kunden.
- Individuelles Feedback: Lernende können ihr Verhalten gezielt reflektieren und verbessern.
- Wiederholbarkeit: Schwierige Situationen lassen sich so oft trainieren, wie es für den Lernfortschritt notwendig ist.
- Skalierbarkeit: Praxisorientiertes Soft-Skill-Training kann großen und verteilten Zielgruppen zugänglich gemacht werden.
- Nähe zum Arbeitsalltag: Szenarien können sich an konkreten Rollen und Herausforderungen orientieren.
Fazit
KI Transformation als Gestaltungsaufgabe
Die Diskussion mit Inga Dransfeld-Haase beim LEF hat gezeigt, dass die KI bereits im Arbeitsalltag angekommen ist. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für Lernen, Upskilling und Personalentwicklung. Die entscheidende Aufgabe besteht jetzt darin, die Technologie, Kompetenzen und Vertrauen gemeinsam zu entwickeln.
Oder, um den Gedanken des Abends noch einmal aufzugreifen: Wir sind nicht hilflos. Wir sind Gestalter*innen. Und HR hat die Chance, bei dieser Gestaltung eine zentrale Rolle einzunehmen.